Hitze, Dürre und Lehren für Dresden

ein Text von Dr. Wolfgang Deppe, Umwelt- und klimapolitischer Sprecher Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Dresdner Stadtrat

(PM 52/18 10.08.2018 – Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Dresdner Stadtrat)

Seit vielen Wochen ächzen in Dresden wie anderswo Menschen, Tiere und Pflanzen unter beständiger Hitze und Dürre. Nach den Jahrhunderthochwassern 2002 und 2013 erleben wir jetzt die Jahrhunderttrockenheit. Extremwetterereignisse häufen sich in den letzten Jahren in nie gekannter Weise. Spätestens jetzt muss auch dem letzten Zweifler klar werden, dass der menschengemachte Klimawandel in vollem Gange ist und an Dynamik zunimmt. Jetzt zeigt sich, dass die Anstrengungen zur Minderung des Kohlendioxid-Ausstoßes in die Atmosphäre weltweit bisher völlig unzureichend waren. Die Klimaforschung befürchtet jetzt sogar Kippeffekte, die unumkehrbar zu einer raschen Erwärmung der Erdoberfläche um 4 bis 5 Grad führen würden mit katastrophalen Folgen durch Überschwemmungen, Dürren, Stürme und andere Extremwetterereignisse. Weite Teile der Erde könnten unbewohnbar werden.

Angesichts dieser Lage steht auch die Kommunalpolitik vor großen Herausforderungen. Nach dem Motto „Global denken – lokal handeln“ müssen auch in Dresden die Anstrengungen zur CO2-Verminderung deutlich verstärkt werden. So müssen die Emissionen im Verkehr durch Reduktion des Pkw- und Lkw-Verkehrs und Ausbau der Elektromobilität vermindert werden. Wir Grüne fordern daher den raschen Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs durch neue Straßenbahntrassen und häufigere Fahrten von Bussen, Straßenbahnen und S-Bahnen. Busse und Lieferfahrzeuge müssen mit umweltfreundlichen Elektro- oder Gasantrieben versehen werden. Darüber hinaus muss das Radwegenetz deutlich rascher als bisher ausgebaut und entsprechende Mittel im Haushalt eingestellt werden. Das Fahrrad ist das klimafreundlichste Verkehrsmittel überhaupt. Zudem muss die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge deutlich verbessert und in der Benutzung vereinfacht werden. Mobilitätspunkte in allen Stadtteilen müssen eine unkomplizierte Verknüpfung und Umsteigemöglichkeiten zwischen allen umweltfreundlichen Verkehrsträgern inkl. Carsharing ermöglichen.

In der Energieerzeugung muss die Nutzung von erneuerbaren Energien wie Solarstrom und Solarwärme vorangetrieben werden. So fordern wir jetzt eine rasche Umsetzung des vom Stadtrat bereits vor einem Jahr beschlossenen Programms zur Nutzung kommunaler Dachflächen für Photovoltaik-Anlagen und von der Verwaltung die Vorlage akzeptabler Pachtverträge für Fremdbetreiber.

Ebenso wichtig wie Maßnahmen zur CO2-Reduktion sind jetzt energische Anstrengungen zur Klimafolgenanpassung in der Stadt. Die Überwärmung dicht bebauter Stadtteile wie Äußere Neustadt, Pieschen oder Löbtau hat in diesem Sommer unerträgliche und die Gesundheit vieler Menschen gefährdende Ausmaße angenommen. Die Temperaturunterschiede zwischen diesen Stadtteilen und der Dresdner Heide oder dem Schönfelder Hochland betragen derzeit (besonders nachts) teilweise 5 Grad und mehr. Wir müssen daher dringend die Kaltlufteinstromschneisen von den Höhen um Dresden herum in die Innenstadt und die Kaltluftentstehungsgebiete am Rande Dresdens von weiterer Bebauung freihalten. Auch die wohnungsbaupolitisch sinnvolle Innenstadtverdichtung kann nicht beliebig weitergehen, sondern gelangt jetzt an Grenzen. Bei jedem Bauvorhaben muss zukünftig genau analysiert werden, welche Auswirkungen es auf Luftzirkulation und Mikroklima hat, und gegebenenfalls darauf verzichtet werden.

In allen dicht besiedelten Stadtteilen müssen durch die Stadtplanung „grüne Inseln“ in Form von kleinen oder größeren Parkanlagen geschaffen werden, die Schatten spenden, Temperatursenken darstellen, das Mikroklima verbessern und Menschen rasch erreichbare Erholungsflächen außerhalb ihrer überwärmten Wohnungen bieten. Der auf der Südhöhe entstehende Südpark ist hierfür ein gutes Beispiel. In kleinerem Maßstab, aber in der Summe ähnlich wirkungsvoll, lassen sich auch viele Innenhöfe oder Hausfassaden begrünen, was von der Stadt gefördert werden kann. Große Straßenbäume stellen besonders wertvolle Verbesserer des städtischen Klimas dar und müssen gerade in Trockenzeiten besonders gepflegt werden. An vielen Straßenzügen sind Neuanpflanzungen möglich. Wir fordern daher, dass das vom Stadtrat vor einigen Jahren beschlossene Straßenbaumprogramm Jahr für Jahr voll umgesetzt wird und die dafür geplanten Mittel auch tatsächlich im städtischen Haushalt bereitgestellt werden.

Es bestehen damit auch kommunal viele Möglichkeiten, zur CO2-Reduktion beizutragen und den Folgen des Klimawandels entgegenzuwirken. Dies setzt aber voraus, dass die notwendigen Veränderungen in der Stadtplanung, beim Bauen und in der Verkehrspolitik einen ebenso hohen Stellenwert im Handeln von Stadtrat und Verwaltung bekommen wie Wohnungsbau oder Schulpolitik. Wir fordern alle Akteure der Stadtpolitik zu entsprechenden Handeln auf. Dies kann sich bereits schon in den Verhandlungen über den Doppelhaushalt 2019/2020 zeigen.

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