Wenn Häuser zu uns sprechen – Schlüterstraße 22

Im Rahmen der Grunaer Nachbarschaftstage fand am Abend des 13. Juni eine Veranstaltung in der Nähe des Grünen Büros gelegenen Hauses Schlüterstraße 22 statt, in der Opfer und Täter der Shoa und ein Vordenker demokratischer Erneuerung unter einem Dach lebten.

Im Haus Schlüterstraße 22 in Gruna scheint die Geschichte Dresdens im 20. Jahrhundert wie unter einem Brennglas verdichtet. Hier lebten bis zu ihrer Deportation im Jahr 1942 Clara und Eva Weiss. Die Wohnung der beiden Frauen, die kurze Zeit später in Auschwitz ermordet wurden, bezog Henry Schmidt, Judenreferent der Dresdner Gestapo und SS – Untersturmführer. Zur gleichen Zeit wohnte in dem Haus Wolfgang Ullmann, für den die Shoa Ausgangspunkt seiner intensiven Auseinandersetzung mit Diktatur und Gewaltherrschaft wurde. Als Bürgerrechtler in der DDR, in der Friedlichen Revolution und als Abgeordneter in Bundestag und Europaparlament setzte er wichtige Impulse für die Durchsetzung und Weiterentwicklung des demokratischen Gemeinwesens.

 

Nach eröffnenden Worten von Valentin Lippmann, illustrierte der Historiker Dr. Peter Skyba die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner  – Clara und Eva Weiss, Henry Schmidt und Wolfgang Ullmann – bis zu den Bombenangriffen. In einer sich anschließenden Gesprächsrunde teilten die Besucher der Veranstaltung ihre Gedanken und Fragen miteinander und diskutierten über die schwierige und ambivalente Dresdner Zeitgeschichte.

Im zweiten Teil der Veranstaltung fand eine Lesung mit Susanne Hösel im Grünen Büro statt. Mit einem bisher unveröffentlichtem Auszug unter dem Titel „Erste rechts“ geht sie der Geschichte von Clara Weiss mit literarischen Mitteln nach, um den Knackpunkt zwischen Assimilation und Deportation als jüdisch markierter Bürger*innen im Wohnviertel aufzuspüren.

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